Der typische Jahresgang der Nährstoffgehalte in den Lebrader Teichen (siehe Abb.1) wird nach dem Wiederanstau im Januar/Februar geprägt durch hohe Nitratwerte, deren Quellen die Zuläufe und der Teichboden sind. In den Untersuchungsjahren 1997 und 1998 standen dem Phytoplankton im Frühjahr Nitrat-Stickstoff von 5 mg l-1 im Mittel zur Verfügung. Die Phosphatwerte sind niedrig und stammen aus dem Zulauf. Durch das intensive Wachstum des Phytoplanktons und der benthischen Vegetation werden die Nährstoffe rasch aufgezehrt. Ab Ende Juni steigen die Werte an (besonders Phosphat) und sinken im Herbst wieder. Die Ursache für diese Entwicklung ist in dem Zusammenbruch der benthischen Vegetation zu suchen, deren Abbau diese Phosphatmengen freisetzt.

Abb. 1. Die mittleren Nitrat- und Phosphatgehalte von 1997 und 1998 der Lebrader Teiche

Ein vereinfachtes Schema der Dominanzabfolgen des Phytoplanktons gibt Abb. 2 wieder. Im Frühjahr dominieren Volvocale (begeißelte Grünalgen) und Bacillariophyceae (Diatomeen, Kieselalgen). Danach kommt es entweder zu einer Massenentwicklung von Fadenalgen oder von Aphanizomenon flos-aquae, eine Blaualge, durch die fast alle anderen Phytoplanktonarten verdrängt werden. Beide Situationen werden aber abgelöst durch eine artenreiche Grünalgengesellschaft, die sich hauptsächlich aus Vertretern der Chlorococcalen (Pediastrum, Dictyosphaerium, Actinastrum, Scenedesmus etc.) zusammensetzt. Zum Herbst hin werden die Chlorococcalen (geißellose Grünalgen) weniger und es kommt zu einer starken Diatomeenvermehrung.

 

Abb. 2: Saisonalität des Phytoplanktons der Lebrader Teiche in den Jahren 1997 bis 2000

Folgende ökologische Ursachen sind für die starke Entfaltung der einzelnen Algengruppen verantwortlich:

ü         Kokkale Grünalgen bevorzugen hohe Temperaturen und Nährstoffreichtum. Somit ist für die Grünalgen der Sommer die optimale Jahreszeit. Hier stehen sie in direkter Konkurrenz mit den Blaualgen, die durch die Stickstoffautotrophie konkurrenzstürker sind. Erst im August, wenn die Nährstoffkonzentrationen hoch sind, ist die Basis für eine starke Vermehrung der Grünalgen geschaffen.

Die Hauptmasse der Fadenalgen wird von 4 Gattungen gebildet: Spirogyra, Oedogonium, Hydrodictyon und Cladophora. Im Mai werden die Spirogyra- und Oedogonium-Arten dominant, wührend der Juni durch das verstürkte Auftreten von Hydrodictyon reticulare (Wassernetz) und einigen Blaualgen gekennzeichnet ist. Mit Beginn des Sommers wird Hydrodictyon aspektbildend, wührend Spirogyra verschwindet und Oedogonium wesentlich seltener zu beobachten ist. Schon im August sterben die Hauptbestände der füdigen Algen ab.

Nur 1997 werden sehr groüe Bestünde von Cladophora beobachtet, die im nüchsten Jahr verschwunden sind und durch Hydrodictyon ersetzt wird.

Von sehr unterschiedlicher Häufigkeit, aber im Untersuchungszeitraum 1997 bis 1999 deutlich zunehmend, sind die zwei Arten der Armleuchteralgen Chara globularis und Nitella flexilis.

 

Das Artenspektrum der submersen Hüheren Pflanze der Lebrader Teiche ist gering. Die hüufigste Art ist Zannichellia palustris. Nach WILMANNS (1989) ist sie kennzeichnend für hypertrophe Sapropele. Weiterhin sind Ranunculus circinatus, Ranunculus trichophyllus, Ceratophyllum demersum und Utricularia vulgaris vorhanden. Besonders auffüllig ist, dass keine Potamogeton-Arten zu finden sind, hier scheint die sehr dicke Schlammschicht von über 30 cm ausschlaggebend zu sein (GARNIEL 1993). Die Entwicklung der submersen Vegetation ist im Untersuchungszeitraum von der Rhythmik des Teichfadens gekennzeichnet, die parallel mit den Fadenalgen verlüuft. Interessant ist die stete Zunahme der Ranunculus-Arten. Nach HEYDEMANN (2001, mündl.) hat der Wasserhahnenfuß Ende 2000 die Flüche des NW-Teiches zu ca. 70 % und des SO-Teiches zu ca. 30 % bewachsen. Mügliche Ursachen sind: kein Beweidungsdruck durch herbivore Vügel, keine gründelnden Karpfen, sinkender Phosphatgehalt.

2           Zooplankton und Makrozoobenthon im Wirkungsgefüge von Trockenfallen, Neubesiedlung und Fraßdruck durch Fische

Die drei wichtigsten Gruppen des Zooplanktons der Lebrader Teiche sind die Cladocera, Copepoda und Rotatoria.

Cladocera
Cladoceren haben einen einfachen Lebenszyklus, der unter günstigen Bedingungen ein schnelles Populationswachstum erlaubt und für eine Neubesiedlung die ideale Strategie darstellt. Besonders zahlreich sind Daphnien und Bosmina longirostris.

Copepoda
Die Ruderfußkrebse haben einen wesentlich langsameren Entwicklungszyklus als Cladoceren. Sie sind das ganze Jahr hindurch im Zooplankton vertreten. Im Frühjahr ist Eudiaptomus gracilis von den Calanoida hüufig vertreten, im restlichen Jahr diverse Vertreter der Cyclopoida.

Rotatoria
Die Rädertiere sind die kleinsten Organismen aus den 3 Gruppen, erreichen aber mit 9 Arten die größte Artenvielfalt und Individuendichte. Während ihrer maximalen Entfaltung im Juli und September stellen sie fast 100 % des Zooplanktons.

Das Zooplankton zeigt im Jahresgang folgenden vereinfachten Aspektwechsel (s. Abb. 3). Hohe Daphniendichten findet man im Frühjahr. Kennzeichen ist das Vorkommen sehr großer Wasserflöhe wie D. magna. Im Juni werden die Daphnien durch ein starkes Wachstum von Bosmina longirostris abgelöst. Die Populationsspitzen sind im NW- und SO-Teich zeitlich versetzt. Im Juli wird das Zooplankton fast ausschließlich von Rotatorien dominiert. Diese werden im August verdrängt durch Daphnien und Bosmina longirostris. Zum Herbst hin findet man im NW-Teich noch Bosmina, während im SO-Teich Rotatorien aspektbildend sind.

           Nährstoffdynamik, Phytoplankton und benthische Vegetation in trockenfallenden Teichen

FRÜHJAHR

SOMMER

HERBST

Cladocera
-Daphnia longispina
-Daphnia pulex
-Daphnia magna

Bosmina longirostris

Rotatoria

Cladocera
-Daphnia
pulex
-
Daphnia
longispina
-Bosmina
longirostris

Rotatoria oder Bosmina longirostris

 

 

 

 

 

Calanoida

Cyclopida

Cyclopida

Cyclopida

Cyclopida

Abb. 3 : Saisonalitüt des Zooplanktons der Lebrader Teiche 1999

Die wichtigste Auswirkung von Fischfraü auf das Zooplankton von Fischteichen (DOEGE 1993) ist die ünderung der Grüüenzusammensetzung. Kleine Zooplankter (Bosmina, Rotatoria) werden gefürdert.

Da in den Lebrader Teichen kein Fischbesatz mehr durchgeführt wird und die Teiche regelmüüig abgelassen werden, gibt es keine artenreiche Fischpopulation. In groüer Zahl kommt nur der  Neunstachlige Stichling vor. Wührend dessen Populationsdichte im Frühjahr wegen der vorausgegangenen starken winterlichen Selektion nur gering ist, kann der Bestand nach vorsichtigen Schützungen von KOOP (2001, mündlich) im September bis auf 2 Mio. Individuen angewachsen sein. So ist der Einfluss der Stichlinge auf das Zooplankton nach dem Anstau zuerst gering (Dominanz groüer Daphnien und Copepoden), wird dann aber schnell stürker (Dominanz von Rotatorien und Bosmina). Das Auftreten starker Daphnienpopulationen im August korreliert zeitlich mit den Massenvorkommen von Chironomidenlarven, die von den Stichlingen evtl. bevorzugt gegenüber den Daphnien gefressen werden. Letztendlich kann der Einfluss der Stichlinge auf die Bestandsentwicklung des Zooplanktons nicht vollstündig geklürt werden.

  Beim Makrozoobenthon stellen die Arten aus vier Taxa die grüüten Abundanzen und Biomassen. Es sind die Ostracoda, Gastropoda. Diptera und Corixidae.

Ostracoda
Die dominante Muschelkrebs-Art ist Cypris pubera, die sowohl permanente als auch temporüre Gewüsser besiedelt. Cypris pubera bildet eine Generation aus und kommt auf bis zu 3773 Ind. m-2.

Gastropoda
Die Schnecken sind bei den Probenahmestellen mit 6 Arten vertreten. Absolute Massenvorkommen sind nur im NW-Teich vorhanden. Hier erreichen Gyraulus albus und Radix ovata 3286 bzw. 2886 Ind. m-2.

Diptera
Die wichtigste Familie im Untersuchungsgebiet sind die Chironomidae (Zuckmücken), denn zu ihr gehört die Art Chironomus plumosus, die als Larve vorwiegend im Schlamm lebt und eine Massenvermehrung mit bis zu 10.400 Ind. m-2 aufzeigt.

Corixidae
Corixiden (Ruderwanzen) gehüren zu der temporüren Fauna der Teiche. Ihr bevorzugter Lebensraum sind stille Gewüsser, wobei sie nur in Biotopen mit geringem Fraüdruck durch Fische hohe Artenvielfalt aufweisen und Teichbüden mit geringer Vegetation bevorzugen (JANSSON 1986). Ruderwanzen erreichen bis zu 3 Generationen in einem Jahr. In den Lebrader Teichen werden sie wohl nur 2 Generationen schaffen, da sie hier erst im Juni erscheinen.

Die erste Massenentfaltung im Makrozoobenthon beginnt im Mai mit den Ostracoden (siehe Abb.4), zeitgleich konnte auch die Süüwassermilbe Piona coccinea hüufig gefunden werden. Im Juli ist Cypris pubera vollstündig verschwunden, dafür ist Gyraulus albus und Radix ovata in groüen Mengen vorhanden. Der August ist gekennzeichnet von einer absoluten Dominanz der Zuckmückenlarven, die bis in den Oktober noch sehr hüufig sind. Die Corixiden sind ab Juli bestündig zu beobachten, ihre Maximaldichte erreichen sie aber mit 352 Ind. m-2 im Oktober im NW-Teich.

FRÜHJAHR

FRÜHSOMMER

HOCHSOMMER

HERBST

Ostracoda
-Cypris pubera

Acari
-Piona coccinea

Gastropoda
-Gyraulus albus

-Radix ovata

Diptera
Chironomus
plumosus

Diptera
-Chironomus
plumosus

Corixidae
-Glaenocorisa propinqua p.
-Sigara falleni

Abb. 4 : Aspektwechsel des Makrozoobenthons in den Lebrader Teichen 1999

Der wichtigste Faktor, der die Zusammensetzung des Benthons in Fischteichen regelt, ist die jährliche winterliche Trockenlegung. Hierbei entscheidet der Grad der Wasserabführung und die Froststärke, wieweit die Fauna vernichtet wird. Diese Einwirkung führt nach BARTHELMES (1981) zu deutlichen Unterschieden gegenüber der Besiedlung des Litorals eutropher Seen. In Karpfenteichen fehlen in der Regel Schwämme (Porifera), Decapoda (Zehnfuß-Krebse), Amphipoda (Flohkrebse) und Netzflüglerlarven (Sisyridae); verarmt sind die Gruppen der Trichopteren (Köcherfliegen) und Mollusca.

Die Auswirkung eines Fischbesatzes auf das Benthon ist eine direkte Verminderung der Individuendichte in Abhängigkeit von der Fischdichte.

3           Röhrichtentwicklung der Lebrader Teiche und ihre ökologischen Ursachen

Zuwachsmessungen und Beobachtungen des Schilfgürtels zeigen, dass das Schilfröhricht der Lebrader Teiche an einigen Stellen im Rückgang begriffen ist. Die Ursachen für diese Problematik sind:

Bereiche mit positivem Wachstum sind sehr ruhige Zonen, abgetrennte Buchten oder wasserzügige Uferabschnitte. Ein Luftbildvergleich der Röhrichtentwicklung von 1967 und 1999 zeigt eine leichte Zunahme.

Literatur

Barthelmes, D. (1981):  Hydrobiologische Grundlagen der Binnenfischerei. VEB Gustav Fischer Verlag, Jena

Doege, A. (1993):  Teich-ökosysteme: Limnologische Studien an Intensivteichen der Binnenfischerei. Habilitation, Fakultät für Bau, Wasser und Forstwesen, TU Dresden

Garniel, A. (1993):  Die Vegetation der Karpfenteiche Schleswig-Holsteins. In: Dierßen, K. (Hrsg.): Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg, Heft 45

Jansson, A. (1986):  The Corixidae (Heteroptera) of Europe and some adjacent regions. Acta Entomologica Fennica, Bd. 47, S. 1-94

Sommer, U. (1994):  Planktologie. Springer Verlag; Berlin, Heidelberg, New York

Wilmanns, O. (1989):  ökologische Pflanzensoziologie. Quelle & Meyer Verlag; Heidelberg, Wiesbaden