Landschaften und Naturräume in Kiel
Kiel, die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, liegt an der Ostsee auf der geografischen Breite von 54° 16'. Gegründet wurde die Stadt zwischen 1233 und 1242 im Zuge der deutschen Ostkolonisation. Der Siedlungsplatz, eine Moränenplatte, hatte durch die Ostsee einen natürlichen Schutz, die diesen Platz fast vollständig umschloss. Die Förde bot zudem eine natürliche Voraussetzung für einen Hafen. Die Entstehung des Gebietes ist auf die letzte Eiszeit (Weichsel-Eiszeit) zurückzuführen. Im Kieler Raum geht man von 4 Weichseleisvorstößen aus. Die Lage der Förde, die sich senkrecht zum Eisrand orientiert, und die trompetenförmige Öffnung erklärt sich aus den Gletschervorstößen. Die Ablagerung von Geschiebematerial kann auch heute noch erkannt werden. So ist das Düsternbrooker Gehölz aus Seitenmoränen, der Hornheimer Riegel (Fernsehturm) aus einer Endmoräne entstanden. Der große Windungsreichtum der Förde ist durch stark erodierende Schmelzwasserströme entstanden, die den vorrückenden Gletscherzungen als Bett dienten. Die letztendliche Form erhielt die Förde durch den nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg und nachfolgende Schwankungen sowie durch menschliche Eingriffe der letzten hundert Jahre.

Das Klima in Schleswig-Holstein wird als gemäßigt ozeanisch bezeichnet. Typische Kennzeichnen sind ausgeglichene Temperaturen, lange frostfreie Zeit und relativ gleichmäßig verteilte Niederschläge (etwa 770 mm in Kiel). Das Wetter hier ist also sehr durchwachsen und in der überwiegenden Zeit des Jahres als Aprilwetter zu bezeichnen. Folgende Ursachen sind dafür verantwortlich:
  • Lage zwischen zwei Meeren
  • Auswirkungen des Golfstromes (warme Meeresströmung) sind ganzjährig auftretende Tiefdruckgebiete und nivellierende Wirkung der ozeanischen Luftmassen
  • Eurosibirische Festlandsmasse mit kontinentalem Hochdruckgebiet bewirkt die maximalen und minimalen Temperaturen
Die ausgleichende Wirkung des Golfstromes wird deutlich, wenn man das mittlere tägliche Minimum des kältesten Monats der Städte Hamburg (54 °) und Goose Bay (54 °) im östlichen Kanada miteinander vergleicht. Während es in Hamburg immerhin noch +1,5 °C sind, erreicht die Quecksilbersäule in Goose Bay nur -20,6 °C. Die erste große Stadt an der Ostküste ist Quebec am 47. Breitengrad, während man sich in Europa auf der Höhe von Bern befindet, der Hauptstadt der Schweiz. Diese Klimadifferenzen wirken sich auch auf die Vegetation aus. So ist Schleswig-Holstein noch in der Zone der sommergrünen Laubwälder, während auf gleicher geographischer Breite in Kanada der subarktische Nadelwald wächst.

Das Geschiebematerial der Eiszeit wird als Geschiebemergel bezeichnet und besteht aus Quarz, Kalk, Feldspat, Glimmer und silikatischen Tonmineralien. Das feucht milde Klima in Schleswig-Holstein führt zur Braunerdebildung, die gekennzeichnet ist von Kalkauswaschung und Freisetzung von Eisenoxydhydrat bei der Verwitterung von Feldspat, der die Bodenteilchen mit einer braunen Hülle umgibt. Die Braunerdeböden waren hier vor der menschlichen Nutzung weithin mit Buchenwald bestanden. Mit Beginn der landwirtschaftlichen Nutzung wurden diese Wälder nach und nach durch Ackerbau und Grünland verdrängt.